Kirche im Landkreis Ludwigsburg

Priester verpflichten sich selbst

16. Jul 2019

Als Reaktion auf die Ergebnisse der MHG-Studie verfassten sechs Priester aus dem Dekanat eine Selbstverpflichtungserklärung.

Als Reaktion auf die Ergebnisse der MHG-Studie verfassten sechs Priester aus dem Dekanat eine Selbstverpflichtungserklärung. Darin verpflichten sie sich unter anderem zur Veränderung von Machtkonstellationen und zum argumentativen Vorantreiben von Klärungsprozessen. Auf das Vetorecht, das dem Pfarrer z.B. im Kirchengemeinderat zusteht, wollen sie verzichten.

Am Freitag, den 12. Juli 2019 unterzeichneten die Verfasser und neun ihrer Kollegen diese Erklärung. Jeder Priester trägt die Erklärung zum einen in seinem Geldbeutel, zum anderen gibt es auch eine Liste, in der alle Unterschriften gesammelt werden.

Priester, die die Erklärung noch unterzeichnen wollen, können sich beim Dekanat melden.

Hier ist der Text im Wortlaut:

Selbstverpflichtungserklärung von Priestern
(initiiert im Dekanat Ludwigsburg von Pius Angstenberger, Karl Böck, Matthias Burr, Alexander König, Luciano Marchesini und Stefan Spitznagel)

Die MHG-Studie über die Missbrauchsskandale innerhalb der katholischen Kirche hat deutlich gemacht, dass sexueller Missbrauch durch die Machtstrukturen der katholischen Kirche begünstigt wird. Strukturelle Veränderungen stehen an. Mit dieser Selbstverpflichtungserklärung unterstreichen wir, dass sie dringend notwendig sind, und setzen einen Impuls.

Als Priester/Pfarrer verpflichte ich mich: 

1.       Ich achte und respektiere die Würde und Persönlichkeit meiner Mitmenschen.

2.       Ich schätze und würdige die Kompetenzen der Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen.

3.       Ich höre hin und setze mich für eine Gesprächskultur ein, in der die Meinung aller gehört wird und ihre Eigenständigkeit gewahrt bleibt.

4.       Ich achte die vielfältigen Frömmigkeitsformen, gehe sensibel und respektvoll mit den geistlichen Empfindungen meiner Mitmenschen um.

5.       Meine Rolle mache ich transparent und übe sie kooperativ aus; Machtkonstellationen und Abhängigkeitsverhältnisse versuche ich aufzudecken und zu verändern.

6.       Ich sorge für Feedback und lade zu konstruktiver Kritik ein.

7.       Bei Entscheidungen beziehe ich die Betroffenen ein. Konsensfindungen haben Vorrang vor Abstimmungen. Entscheidungsprozesse gestalte ich nachvollziehbar. Die Ergebnisse sind für mich bindend.

8.       Klärungsprozesse treibe ich argumentativ voran, anstatt das Vetorecht in Anspruch zu nehmen. 

9.       Ich ermutige zur Mitwirkung vieler und schätze die vielfältigen Begabungen und Talente.